Mittwoch, 22. Juni 2011

The Atlantic And You

Meine Pläne für heute haben sich kurzfristig etwas nach hinten verschoben und so kommt es, dass ich schon wach bin aber noch nicht losgehe. Also kann ich was über gestern erzählen.

Von National Geographic wurden die Azoren hinter den Färöer-Inseln auf Platz zwei der schönsten Inseln der Welt gewählt. Das verwundert glaube ich auch niemanden, der mal hier gewesen ist. Man scheint hier zwar Touristen erstaunlich gern zu haben und auch stets versucht zu sein, ihnen die schönsten Orte der Insel zu zeigen aber das wohl auch nur, weil sich ihre Anzahl noch in Grenzen hält. Dass die Flüge auf die Azoren und auch die Unterkünfte relativ teuer sind, darüber ist man letztendlich doch ganz glücklich. Natürlich begegnet man in der Nähe von Attraktionen oder in Ponta Delgada schon immer mal ein paar - aber mit Madeira oder auch Lissabons Touristenmassen ist das nicht vergleichbar und in Ribeira Grande ist mir bisher nur eine Reisegruppe über den Weg gelaufen.

Gestern bin ich bereits recht früh aufgestanden um den Tag optimal auszunutzen, habe dann aber ein bisschen getrödelt und mich ablenken lassen, so dass ich, als ich am Busbahnhof ankam um zu fragen, wann der nächste Bus nach Maia fährt, nur noch mitleidig angesehen wurde mit den Worten: "Der ist gerade vor einer Minute abgefahren - haben Sie den nicht mehr gesehen?" Und das war dann auch leider der letzte brauchbare Bus für diesen Tag nach Maia und so fand ich mich zunächst auf einem Spaziergang zum anderen Ende des Städtchens um den Strand von Santa Bárbara zu besuchen, den ihr hier bewundern könnt:

Ein Strand, der wohl vor allem bei Surfern beliebt ist und so findet hier im August DAS Surfevent der Azoren statt. Die Strände sind deswegen schwarz, weil ihr Sand vor allem aus dem Basalt besteht, was an der vulkanischen Herkunft von São Miguel liegt. Das Wasser ist sehr sauber, sehr salzig und größtenteils ziemlich hellblau.


Die Farben der Azoren sind sowieso überwiegend grün und blau - und zwischendurch immer wieder blumig bunt. Das Wetter ist ein Traum. Viel mehr als 21-22°C sind es zwar nicht, aber die hohe Luftfeuchtigkeit und die Sonne machen es fast perfekt - so dass man eigentlich nie friert und den Wind noch immer als sehr angenehm empfindet. Riechen tut es ebenso wie es aussieht: Nach Meer, Kühen, Blumen und frisch gemähtem Gras.


Als ich den Strand von Santa Bárbara wieder verlassen wollte, bekam ich unverhofft etwas Gesellschaft. Dieser Hund hat sich mir einfach angeschlossen wie ein kleiner Schatten. Als ich ihn zurückbringen wollte, hat sein Besitzer im São Miguel-Dialekt auf mich eingeredet. Eine große Freude aus ö- und ü-ähnlichen Lauten, mit der ich so meine Mühen habe. Ich hörte jedoch raus ich solle einfach weiterlaufen und das habe ich auch getan. Mein Freund folgte mir, bis eine Familie, die ich überholt habe ihn verscheucht hat. Ich gehe aber mal davon aus, dass er seinen Weg nach Hause problemlos gefunden hat.

Ich habe mich dann auf den Weg nach Caldeiras begeben. Eine kleine Bergaufwanderung auf einer schmalen Pflasterstraße. Hier sieht man besonders schön die typische Landschaft von São Miguel: Grün und blau und überall voller Hortensien.












Wenn man dort entlang spaziert, wird man feststellen, dass es alle zwei Meter neben einem raschelt. Das sind die vielen kleinen Eidechsen, die man beim Sonnenbad stört und zum flüchten bringt.


Nach nicht viel mehr als einer Stunde, kommt man in Caldeiras da Ribeira Grande an und wird wieder einmal an den vulkanischen Ursprung der Insel erinnert. Die vielen heißen Quellen, die dort zu finden sind, kochen und dampfen blubbernd vor sich hin und wenn man nicht wissen möchte, wie sich ein bei lebendigem Leib gekochter Hummer fühlt, sollte man vielleicht nicht gerade hineinspringen.




Zum Ende des Tages ging es für mich noch einmal zurück zum Strand von Santa Bárbara, wo ich mit viel Freude noch im Atlantik baden war. Das Wasser ist wirklich erstaunlich warm und sauber und die Wellen haben mich ein paar mal glatt umgehauen - sehr zur Freude der sich sonnenden Einheimischen, davon bin ich überzeugt. Mein Bikinioberteil hätte sich dabei fast verabschiedet und unter der Dusche war ich später überrascht, wie viel schwarzer Basaltsand sich darin ansammeln kann.

Die Erkenntnisse des Tages? Die Azoren sind ein Paradies und setzen permanent Endorphine frei, selten wurde ich auf einem kleinen Feldweg so oft angepfiffen und angehupt, heiße Quellen riechen lustig und unterschätze nicht die Sonne der Azoren, denn an meinem Körper ist nun trotz Sonnencreme jede unbedeckte Stelle rot und schmerzt, so dass ich heute lieber langärmelig umherlaufe. Was ich mit meinem Gesicht mache bleibt fraglich, denn Vermummung ist keine Option.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen