Freitag, 10. Juni 2011

Festas de Lisboa und warum Einkaufszentren die Unibibliothek ersetzen

Habt ihr euch schon einmal in einem Einkaufszentrum zum Lernen verabredet? Eher nicht? Ja, hat mich auch verwundert. Aber dann dachte ich mir, dass in Gesellschaft lernen mich sicher total motiviert... und Motivation brauche ich ganz dringend. Immerhin habe ich in den letzten 4 Tagen schon drei Klausuren hinter mich gebracht. Dieser ungünstige Zeitplan ist natürlich entstanden weil ich Kurse aus verschiedenen Jahrgängen bzw. Bachelor und Master belege und die Klausurtermine dieser manchmal einfach so gar nicht zueinander passen wollen.. trotzdem finde ich, dass wer auch immer mir das angetan hat wegen Körperverletzung verklagt gehört. In der nächsten Woche folgt dann eine weitere Klausur und die Abgabe zweier Hausarbeiten inklusive der Präsentation einer davon. Eine dieser Hausarbeiten hat dabei noch nicht einmal begonnen zu existieren und die andere wurde mir aufgetragen, nachdem eine meiner Arbeitsgruppen in der Nacht vor der Präsentation beschlossen hat, dass sie ihren Teil der Arbeit nicht rechtzeitig fertig bekommen und in die Nachprüfung gehen - die leider nach meinem Abreisetermin liegt. Freundlicherweise darf ich aber nun um das Fach hier noch abzuschließen, das was alle anderen Gruppen zu fünft machen allein zum Abschluss bringen - in kürzerer Zeit versteht sich. Abgesehen vom Zeitmangel hab ich allerdings meine Freude an der Arbeit - zumal meine Statistikfragen den Dozenten manchmal ganz mächtig verwirren - und irgendwie machts allein auch viel mehr Spaß. Naja, ich will eigentlich gar nicht zu viel von meinen Arbeitsinhalten reden - aber all diese Dinge gehören eben auch zu einem Erasmusaufenthalt in Lissabon. :)

Interessanter war die Art und Weise, wie man hier arbeitet. Man muss dazu sagen, dass Portugiesen niemals zu Hause zu lernen scheinen. Clever wenn ihr mich fragt - und im Gegensatz zur Bibliothek kann man sich im Einkaufszentrum auch nicht mit Facebook ablenken. Dort angekommen war ich jedenfalls mächtig überrascht. Da waren tatsächlich so einige Tische von Studenten mit Unterlagen übersät worden und aus irgendeinem seltsamen Grund war ich dort in einem riesigen Lerngruppen-Lager gelandet. Schnell wurde auch klar, dass die ganz Schnellen schon früh morgens kommen (vermutlich um 12) um die Tische nahe den Steckdosen zu ergattern - für mich und mein Netbook war es jedenfalls bereits zu spät.
Inmitten verschiedenster Nahrungsanbieter bot es sich dann an, zuerst einmal Mittag zu essen als alle von uns versammelt waren... Da sowas ja aber für jemanden mit Fructoseintoleranz nicht in Frage kommt, habe ich dann schon mal mit der Arbeit angefangen. Die anderen folgten meinem Beispiel etwa eine Stunde später. Essen muss man eben genießen. An Pausen hat es später nicht gemangelt - aber zu viel Stress tut auch einfach niemandem gut. Ein Lerngruppenmitglied floh dann an den Nebentisch um nicht weiter von den anderen abgelenkt zu werden, nur um dann dort im Sitzen ein Nickerchen zu halten.
Letztendlich muss ich feststellen, dass mich diese Lerngesellschaft an diesem Tag zu einer interessanten Hypothese für meine Hausarbeit in ABO-Psychologie geführt hat. Nämlich zu einer möglichen Erklärung dafür, warum längere Arbeitsstunden in unserer portugiesischen Stichprobe absolut keinen Zusammenhang mit der Entwicklung von Fatigue gezeigt haben.
Da ich schließlich sehr stolz auf meine Fortschritte bei der Hausarbeit war und sich nach 4 Stunden auch mein Netbook-Akku verabschiedet hat, habe ich mich früher als die Anderen auf den Heimweg gemacht um mich mit ein bisschen Alfama zu belohnen. Es ist Festas-de-Lisboa-Zeit, meine Lieben!

Was das bedeutet? Nun es bedeutet ich habe seit langer Zeit mal wieder mehr Sonne gesehen als der Weg zur Unibibliothek und zurück anbietet, es bedeutet Alfama ist bunt und voller Musik und es bedeutet auch ab Juni sind die Sardinen leckerer.


Nun - bunt allein reicht vielleicht als Beschreibung noch nicht... wie wäre es weiterhin mit fröhlich, kitschig, überladen, ...? Aber es hat seinen Charme.


Leider hat die allgemeine Fotoqualität unter den Lichtverhältnissen gelitten - aber ich glaube ihr versteht trotzdem was ich meine.


Die kleinen Gässchen Alfamas waren einfach voller Leben - und das obwohl es natürlich eigentlich erst Abends so richtig losgeht.


Mit Girlanden sieht außerdem gleich alles viel besser aus... einfach ALLES!



Und hier geht es dann wie sich das gehört einer gegrillten Sardine an den Kragen.. was die Hygiene beim Verkauf angeht, empfehle ich nicht so genau hinzusehen.
Nun weiß ich einige Familienmitglieder freuen sich bereits, wenn sie von verspeisten Fischen hören und glauben ich sei bekehrt... aber: Nein Oma, nein Mama - ich war es nicht... aber ich hab mal probiert. Mindestens 2 mm³ ;)


Wer nun denkt das war schon alles, der irrt sich. Ich freue mich sehr auf die Marchas Populares am Sonntag und habe nicht vor mir das von irgendeiner Hausarbeit der Welt vermasseln zu lassen. Ihr werdet also bald wieder von mir lesen. :) Und bis dann - ein fröhliches Lernen auch allen in der Heimat!

2 Kommentare:

  1. Viel Spaß auf den Festas de Lisboa! Wir reisen leider erst Ende Juni an, wenn schon alles vorbei ist...kann man schwarz oder weiss sehen...:-)

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  2. Danke schön - ich bin auch gar nicht so traurig, dass ich nicht mehr von den Festas sehen konnte... in der Avenida bekommt man dieser Tage fast Schockzustände und um sich seinen Weg durch die Menschenmassen zu bahnen, dauerts auch schon mal ein Weilchen. :)

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